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Analyse & Einschätzung

Belastungen erkennen, ohne Bewertung oder Scoring

BGM-Selbsteinschätzung

Überblick über organisatorische und arbeitsbedingte Faktoren

Eine Selbsteinschätzung zeigt Ihnen, wo Sie stehen. Dies ist kein Audit oder Bewertungssystem – es geht nur um Orientierung.

Bereich 1: Organisation

  • →Gibt es klare Rollen und Verantwortlichkeiten?
  • →Sind Ziele transparent und erreichbar?
  • →Wie ist die Kommunikation zwischen Ebenen?
  • →Werden Änderungen rechtzeitig mitgeteilt?
  • →Gibt es Möglichkeiten zur Mitwirkung?

Bereich 2: Arbeitsbedingungen

  • →Ist die Arbeitsausstattung angemessen (IT, Hilfsmittel, Räume)?
  • →Wie ist die physische Arbeitsumgebung (Lärm, Licht, Ergonomie)?
  • →Sind Arbeitszeiten angemessen und flexibel?
  • →Gibt es Pausen und Erholungszeiten?
  • →Können Menschen Work-Life-Balance erreichen?

Bereich 3: Zusammenarbeit & Kultur

  • →Wird Leistung anerkannt und wertgeschätzt?
  • →Wie ist der Umgangston im Team?
  • →Gibt es Konflikte oder Spannungen?
  • →Wird Hilfe angeboten, wenn nötig?
  • →Fehlt es an Gerechtigkeit oder unfairer Behandlung?

Wichtig: Dies ist keine Bewertung von richtig/falsch. Ziel ist, Handlungsbedarf zu identifizieren, nicht zu kritisieren.

Arbeitsplatz-Check

Überprüfung physischer und ergonomischer Faktoren

Ein systematischer Check der physischen Arbeitsplätze offenbart oft schnell behebbare Probleme.

Kategorie 1: Bildschirmarbeit

  • ▪Monitor-Höhe und -Entfernung angemessen?
  • ▪Stuhl ergonomisch, höhenverstellbar?
  • ▪Schreibtisch stabil, richtige Höhe?
  • ▪Tastatur und Maus ergonomisch positioniert?
  • ▪Displaybeleuchtung ausreichend, blendungsfrei?

Kategorie 2: Physische Belastungen

  • ▪Gibt es Hebe-, Trage- oder Beugearbeiten? Wie oft?
  • ▪Wiederholte Bewegungsabläufe (z.B. Montage)?
  • ▪Steharbeit, Bewegungsfreiheit?
  • ▪Vibration oder Schall-Exposition?
  • ▪Temperatur, Feuchte, Luftqualität?

Kategorie 3: Umfeld & Infrastruktur

  • ▪Pausenraum, Küche, Toiletten sauber und funktional?
  • ▪Parkplätze, Fahrradständer, Bushaltestelle in Reichweite?
  • ▪Sicherheit und Ordnung? Brand-, Evakuierungsplan vorhanden?
  • ▪Erste-Hilfe-Material und Notrufe erreichbar?
  • ▪Persönliche Schutzausrüstung verfügbar und genutzt?

Tipp: Machen Sie Fotos beim Check. Visuell wird es später klarer und überzeugender bei der Präsentation.

Team- & Organisationsfaktoren

Belastungen durch Arbeitsmenge, Rollen und Kommunikation

Diese Faktoren sind oft invisibel, aber wirken stark. Sie entstehen durch Struktur, Prozesse und Führung.

Faktor 1: Arbeitsmenge & -tempo

  • →Gibt es regelmässig Überstunden oder Heimarbeit?
  • →Werden Deadlines erreichbar gesetzt?
  • →Können Mitarbeitende ihre Arbeit in normaler Zeit bewältigen?
  • →Wie viele Projektbeteiligte wechseln schnell?

Faktor 2: Rollen & Verantwortlichkeiten

  • →Sind Rollen klar definiert oder überlappend/unklar?
  • →Gibt es Konflikte wegen Zuständigkeiten?
  • →Wie viel Mitsprache bei Entscheiden?
  • →Werden Leute zur Rechenschaft gezogen unfair?

Faktor 3: Konflikte & Spannungen

  • →Gibt es auffällige Spannungen zwischen Teams oder Personen?
  • →Wie werden Konflikte gelöst?
  • →Gibt es Hinweise auf Mobbing, Ausgrenzung oder Diskriminierung?
  • →Wie ist die Kommunikation zwischen Ebenen?

Faktor 4: Erreichbarkeit & Grenzen

  • →Wird erwartet, rund um die Uhr erreichbar zu sein?
  • →Gibt es klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben?
  • →Sind Ferienregelungen klar und werden Pausen respektiert?
  • →Wie oft werden Meetings nach Feierabend angesetzt?

Merksatz: Diese Faktoren sind oft die grössten Gesundheitsrisiken. Sie zu ignorieren ist fahrlässig.

Frühwarnsignale erkennen

Beobachtbare Hinweise ohne medizinische Diagnosen

Oft gibt es Zeichen, dass es Mitarbeitenden nicht gut geht – lange vor ernsthafte Krisen.

Beobachtbare Frühwarnsignale:

  • ⚠Erhöhte Fehlquote oder Kurzabsenzen
  • ⚠Veränderte Leistung (plötzlich schlechter)
  • ⚠Weniger Engagement oder Initiative
  • ⚠Sichtbare Müdigkeit, Konzentrationsprobleme
  • ⚠Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten
  • ⚠Weniger soziale Interaktion (Rückzug)
  • ⚠Häufigere Beschwerden über Arbeitsumstände
  • ⚠Hoher Alkohol-/Kaffeekonsum während Arbeit

❌ Was Sie NICHT tun sollten:

  • →Diagnostizieren Sie keine Krankheiten (z.B. „Das ist ein Burnout")
  • →Machen Sie keine Vermutungen über private Probleme
  • →Interpretieren Sie Symptome nicht medizinisch
  • →Behandeln Sie das selbst oder geben Sie Rat wie ein Therapeut

✓ Was Sie TUN sollten:

  • →Beobachten und dokumentieren Sie neutral
  • →Sprechen Sie betroffene Person an (respektvoll, vertraulich)
  • →Bieten Sie Unterstützung: EAP, Betriebsarzt, Beratung
  • →Überprüfen Sie die Arbeitsbedingungen (sind Sie ein Faktor?)
Auswertung & Hinweise

Klartext-Zusammenfassung und nächste Schritte

Nach Analyse und Check: Was bedeuten die Erkenntnisse? Was tun Sie jetzt?

Schritt 1: Klartext-Zusammenfassung

Schreiben Sie auf: Was haben Sie gefunden? Seien Sie konkret, nicht diplomatisch.

Beispiel (NICHT): „Es gibt einige Verbesserungsmöglichkeiten bei der Ergonomie."

Beispiel (BESSER): „3 von 5 Arbeitsplätzen haben nicht ergonomische Stühle. Monitor-Höhe ist bei 60% falsch. Das führt zu Nackenschmerzen bei mindestens 2 Mitarbeitenden."

Schritt 2: Kategorisieren Sie die Befunde

Sortieren Sie nach Dringlichkeit und Grösse:

  • HOCH:Sofort Handlung nötig (Sicherheitsrisiken, gravierende Belastung)
  • MITTEL:In nächsten Wochen angehen (Probleme mit Auswirkungen)
  • NIEDRIG:Mittelfristig verbessern (längerfristige Optimierung)

Schritt 3: Empfehlungen formulieren

Was müssen Sie konkret tun? Nicht „verbessern", sondern „wie?":

Schwach: „Verbessern Sie die Ergonomie."

Stark: „Kaufen Sie ergonomische Stühle für die 3 betroffenen Plätze (Budget: CHF 1500). Schulen Sie zum korrekten Setup. Termin: bis Ende März."

Schritt 4: Wichtigste Erkenntnisse für die GL

Fassen Sie auf 1 Seite zusammen:

  • ✓ Was funktioniert gut? (Stärken)
  • ✓ Was sind die Top-3 Probleme? (Schwächen)
  • ✓ Welche Schnellmassnahmen (sofort)?
  • ✓ Welche grösseren Massnahmen (nächste Wochen)?
  • ✓ Geschätzter Aufwand und Budget?

Nächste Schritte nach Analyse:

  1. 1. Analyseergebnisse mit GL besprechen
  2. 2. Priorisieren (was zuerst?)
  3. 3. Massnahmen planen (wer, was, wann, kosten)
  4. 4. Mitarbeitende informieren (transparent!)
  5. 5. Umsetzen und Fortschritt tracken
Zusammenfassung: Analyse & Einschätzung

Ziel: Belastungen systematisch erkennen, ohne zu bewerten oder zu diagnostizieren.

Methoden: Selbsteinschätzung, Arbeitsplatz-Check, Team-Faktoren, Frühwarnsignale.

Output: Klartext-Zusammenfassung mit konkreten Befunden und priorisierten Empfehlungen.

Nächster Schritt: Gehen Sie zu "Massnahmen & Vorlagen" und planen Sie konkrete Verbesserungen.

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